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Sunday, 20 May 2012
Manschnow und Gorgast Stadtteile von Küstrin? Drucken E-Mail
Zu den notwenigen Erfordernissen unserer Zeit zählen nun mal leider Verwaltungsreformen. Dazu gehört auch die Zusammenlegung einzelner Dörfer zu Großgemeinden, damit diese effektiver und sparsamer verwaltet werden können. Vor einigen Jahren traf es auch Manschnow, Gorgast und Küstrin-Kietz. Anfang 1998 schlossen sich die drei Orte zur Großgemeinde Küstriner Vorland zusammen. Weder der Name noch der Schritt an sich erweckte überall Begeisterung. Der Name der neu entstandenen Gemeinde - Küstriner Vorland - war von Anfang an umstritten. Seitdem sind über zehn Jahre vergangen, ohne dass sich die Bürger wirklich mit diesem bürokratischen Konstrukt identifizieren können.

Auch heute noch fühlt man sich, je nach Herkunft, nur als Manschnower, Gorgaster oder Küstrin-Kietzer. In den anderen Gemeinden unseres Landkreises, die bei der Benennung ihrer Gemeinden noch mit viel schlimmeren Entgleisungen bestraft wurden, man denke nur an Fichtenhöhe, ist es wohl nicht anders. Kehren wir aber wieder zum Küstriner Vorland zurück. Die hier vereinigten Orte haben, jeder für sich gesehen, eine sehr interessante individuelle Vergangenheit. Sowohl Gorgast als auch Manschnow gehören zu den ältesten Orten im Oderbruch, die bereits lange vor der Urbarmachung dieses Gebietes und sicher auch lange vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung existierten. Beide Ansiedlungen können auf eine wechselvolle Entwicklung zurückschauen. Nicht umsonst siedelten sich die holländischen Gebrüder van Spronsen in Manschnow an, um von hier aus, die Gemüsezucht im Oderbruch aufzubauen. Und das alles soll nun quasi per Federstrich beseitigt werden? Wohl kaum! Zumal die alte preußische Militär- und Beamtenstadt Küstrin im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges untergegangen ist, ihren Platz in der Geschichte aber längst gefunden hat.

Und das sind nur einige wenige Aspekte, die für die geschichtliche Bedeutung der genannten Dörfer stehen, die sicher sehr viel älter sind als ihre dokumentarische Ersterwähnung erahnen lässt. Für die Bewohner vom Küstriner Vorland wäre es sicher wünschenswert, dass alle Ortsteile gleichberechtigt unter Beibehaltung ihrer Namen unter dem Dach der Großgemeinde vereinigt werden. In Manschnow und Gorgast, die immer in ihrer mehrere hundert Jahre zählenden Geschichte stets eigenständige Orte waren, sieht das natürlich anders aus. Im wahrsten Sinne des Wortes im Vorland Küstrins gelegen und sicher auch diesen jenen Vorteil genießend, fühlten sich deren Einwohner aber wohl kaum als "heimliche Küstriner“.

Aus dem genannten Grunde sind die in jüngster Zeit bekannt gewordenen Überlegungen, aus Küstriner Vorland die Stadt Küstrin neu erstehen zu lassen, vorsichtig ausgedrückt, mit großer Skepsis zu sehen. Küstrin-Manschnow oder Küstrin-Gorgast? Das wäre meines Erachtens nicht nur historisch sondern auch politisch falsch. Wie sehr sich die Manschnower und Gorgaster vor dem Zweiten Weltkrieg als heimliche Küstriner fühlten, kann ich nur bezweifeln aber nicht beurteilen. Dass aber die meisten Einwohner von Manschnow, Gorgast und auch Küstrin-Kietz keine wirkliche Bindung an das im Bombenhagel untergegangene Küstrin haben, kann getrost als Tatsache angesehen werden.

Eine neuerliche Geschichtsverdrehung ist also nicht notwendig, um die Erinnerung an diesen Ort wach zu halten. Es ist wohl auch nicht zu erwarten, dass sich die Masse der heutigen Manschnower , Gorgaster und auch der Einwohner von Küstrin-Kietz mit dem alten Küstrin identifizieren kann. Wie es ebenso schwer vorstellbar ist, dass dieses künstliche und unhistorische Küstrin wirkliche Geschichtsfans oder Wirtschaftsinvestoren anziehen wird.

Uwe Bräuning

 
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