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Friday, 10 February 2012
Kurzgeschichten von Lutz-Rüdiger Schöning Drucken E-Mail

Nachtfrost in Manschnow

(gekürzter Auszug aus "Piazzo Aperto" von Lutz-Rüdiger Schöning)

... "Manschnow? Mit Verlaub: ein Nest! Ein kleiner Ort zwischen Zicken-Seelow und der Oder. Zu dem man aber durchaus eine private Beziehung haben kann. Oder gar ein verwandtschaftliches Verhältnis. Da kann es schon sein, dass sich zum Ortsnamen Bilder fügen, die man sein Leben lang nicht vergessen hat. 

Es war nach dem letzten Großen Krieg, als die Großeltern einen Hof übernahmen, der, aus welchen Gründen auch immer, keinen Besitzer mehr hatte. Er lag, eine wohl sehr typische Anordnung, weit ab von der Chaussee inmitten der zum Hof gehörenden Felder. Das Bauernhaus war solide gegründet und gebaut, die Fenster und Türleibungen zeigten sogar den Ansatz baukünstlerischer Gestaltung. ...

... Wer lacht da, wenn er erfährt, dass die ersten Trockenübungen für das Motorradfahren auf den Resten des Wehrmachtsmodells einer Harley Davidson, die wer weiß wie in den Bestand der Roten Armee geraten und dann abgeschossen worden war, stattfanden! Wenn man das Ding noch hätte! ...

... Ach ja, Manschnow. Die riesigen Gewächshausanlagen einer holländischen Besitzung. Die vom Krieg zerzauste Windmühle auf der Frankfurter Chaussee. Die Panzerwracks, die noch monatelang auf den Feldern standen. Die ersten Neubauten neben der zerschossenen Kirche, die einst den Fortschritt auch im Orderbruch verkündeten. Die Elektromonteure, die erste Stromleitungen an frisch gesetzten Masten montierten, manchmal zur Freude der Bengels ein paar der kupfernen Verbinder verloren und die Dorfmädels in der „Linde“ erst herum schwenkten und dann ins Stroh warfen. Der große Obstgarten des Großvaters, der zum Mundraub freigegeben war, vorausgesetzt, man ließ den Grafensteiner, seinen Lieblingsapfel, in Ruhe. Der Bahnhof zwischen den Ortschaften Manschnow und Gorgast, von dem der Krieg nur Schrankenwärterbude aus Wellblech übrig gelassen hatte.

Als die Züge wieder fuhren, zwei oder drei Mal in der Woche, kam oft ein ausgemergelter Kerl mit zwei Holzkoffern die weithin sichtbare Straße zum Bahnhof entlang, vorbei am zerschossenen Fort Gorgast. Der Dorfpolizist rieb sich schon erwartungsvoll die Händel. So, wie der Kerl schleppte, war Schmuggelgut zu vermuten. Kartoffeln, Rüben oder gar Speck. Alles falsch. In den Koffern war ..."

 



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