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Wednesday, 08 February 2012
Kindheitserinnerungen Drucken E-Mail

Walter Brauer

Jahreszeitliche Impressionen von ausgedehnten Kahnpartien zur Padde, Erntehilfe, Drachen-Glück, Grützwurstsuppe und Weihnachtsfreude von Walter Brauer, einem ehemaligen Manschnower, der seit 1948 am Niederrhein wohnt, aber immer noch sehr heimatverbunden ist. Er beschreibt in seinen Erinnerungen Erlebnisse von 1926 - 1941 um die Manschnower Mühle, dem Strom und dem Anger und berichtet von all den Freunden, mit denen er damals so manchen Streich ausheckte.

Der Winter war schon ein harter Geselle. Wir Kinder jedenfalls versuchten, ihm die angenehme Seite abzugewinnen. Fiedlers Teich war bald zugefroren und mit unseren Schlittschuhen flitzten wir über die spiegelblanke Eisfläche. Heiß ging es her beim Eishockeyspiel. Abgesehen von diversen Blessuren überwog die Freunde am Spiel. Schnee gab es in Hülle und Fülle. Nachmittags, wenn die Schularbeiten erledigt waren, hieß dann der Treffpunkt Bardelebens Berg.

Kahnpartie hinter der Padde

Im Frühling wurde es am Strom und Anger lebendig. Der frisch geteerte Kahn wurde bald zu Wasser gelassen, die Angelzeit begann und manch kapitaler Fisch wurde gelandet. Hier seien auch die ausgedehnten Kahnfahrten zur Padde und gen Reitwein nicht vergessen. Weit hinter der Padde verengte sich der Strom. Durch das regelmäßige Krauten war er auf seiner Länge (ab Mühle) immer gut befahrbar. Bedingt durch das saubere Wasser konnte sich auch der Fischbestand gut entwickeln.

Eine besondere Freude für uns war der althergebrachte Brauch des Osterpitschens. Dünne Reisigzweige als Gerte zusammengebunden, damit zogen wir von Haus zu Haus. Der Frühling strebte seinen Höhepunkt zu und ging in unseren Regionen nahtlos in den Sommer über. Unser sommerlicher Treffpunkt war die Padde. Ballspiel, bis hin zum Versteckspiel, es war immer etwas los in unserem Umfeld. Der tägliche Schulgang nebst Schularbeiten wurde nicht vernachlässigt, das lag auch im eigenen Interesse, denn unsere Eltern waren hier unerbittlich - ohne Leistung, keine Freizeit.

Der Sommer stand im vollen Saft, unser Dorf, der Strom überhaupt jeder Fleck, hatte hier seinen besonderen Reiz. Sommerzeit - Ferienzeit war für uns Kinder vom Dorf die schönste Zeit des Jahres. Oft war auch die Mithilfe bei der Einbringung der Ernte gefragt, aber ansonsten genossen wir die Freizeit. Abgeerntete Felder und die umgepflügten Stoppelfelder ließen schon bald den beginnenden Herbst ahnen, fortführend die Erntezeit mit der anstehenden Einbringung der Hackfrucht. Der Herbst mit seinem launischen Wetter machte hierbei den Bauern das Leben manchmal ganz schön schwer. Letztlich kam die Ernte aber doch immer unter Dach und Fach.

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  Kommentare (2)
Geschrieben von: Jens Meier, am 17-10-2007 18:42 , IP: 213.23.28.30
Ein gut geschriebener Artikel, locker geschrieben ind nett zu lesen. Weiter so ...
Geschrieben von: Nadler,Matthias, am 11-11-2008 12:48 , IP: 217.238.203.35
Super! 
So habe ich von ca.1970-1978 den Strom erlebt.

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